Geschichte

Als die Bühne laufen lernte
„50 Jahre und kein bisschen heißer“

Aus der Zusammenarbeit des Valentin-Musäums (Hannes König) mit alten Münchner Volkssängern wurde Anfang der 60er-Jahre die Idee geboren, ein Theater zu gründen, das Traditionsstücke der ehemaligen Volkssänger in Erinnerung bringen und dem Publikum wieder zugänglich machen sollte. Mundart-Theater mit echten volkstümlichen Texten existierte in München seinerzeit so gut wie gar nicht.

Zunächst etablierte sich die Truppe im Franziskaner-Keller in der Au und eröffnete ihr Schaffen mit dem „Boarischen Hiasl“. Aus baulichen Gründen musste das Ensemble das Lokal wechseln und fand in der klassischen Komiker-Hochburg, dem Apollotheater an der Dachauer Straße eine neue Bleibe. Jedoch auch dort beenden Umbaupläne die weiteren Aufführungen, so dass die mittlerweile als Verein gegründete „Gesellschaft der Münchner Volkssänger“ nach Schwabing in die Max-Emanuel-Brauerei umzog. Dieses Haus war vor allem bekannt durch Theateraufführungen der Gum-Kaufmann-Gesellschaft, bei der bereits Liesl Karlstadt mitgespielt hatte.

Mit dem Volkstrauerspiel „Der Müller und sein Kind“ von Ernst Raupach, bereichert mit erbaulichen Moritaten von Hannes König, begannen die Vorstellungen in Schwabing. Wegen des großen Erfolges wurde dieses Stück alljährlich um Allerheiligen/Allerseelen, in manchen Jahren sogar während der gesamten Herbstspielzeit aufgeführt.

Im Lauf der Zeit kamen weitere Stücke von Hannes König über populäre bayrische Persönlichkeiten wie „Der Wildschütz Jennerwein“, „Der Schmied von Kochel“ oder zwei „König Ludwig II.“ – Stücke hinzu. Eine  Spezialität unseres Schaffens sind „Klassiker“ in bayrischer Mundart, wie „Hamlet, der wahnsinnige Prinz von Denemarkt“ nach William Shakespeare, „Da Hoderlumpensparifankerl“ nach Johann Nestroy, „Die Räuber“ frei nach Schiller; „Figaros Hochzeit“, „Die Dreizehnerloper“, ein Spiegelbild des Münchner Gschwerls von Fritz Heider nach Bert Brechts „Dreigroschenoper“ oder „Der Widerspenstigen bayrischen Zähmung“ nach W. Shakespeare von Herbert Rosendorfer.

Außerdem gehören Stücke wie „Die Raubritter vor München“ von Karl Valentin, „Boarisch guad“ (Szenen und Sketche von Weiß Ferdl bis Valentin) zum Repertoire der Bühne.

In den 47 Jahren ihres Bestehens ist die Münchner Volkssänger-Bühne, von Kennern und Stammgästen kurz MVB genannt, zu einer echten Institution ursprünglicher, bayrischer Volksschauspielkunst geworden. Hier wird gerade die immer rarer werdende Münchner Mundart aufs Trefflichste gepflegt. Rundfunk, Fernsehen und Presse bescheinigen ihr Originalität und einen wichtigen Platz im Münchner Kulturleben und wurde mit einer Sonderausstellung zum 40-jährigen Bestehen im Valentin-Musäum dafür belohnt.

Nach 35 Jahren ununterbrochenen Schaffens in der Max-Emanuel-Brauerei musste die MVB das Lokal wechseln, da die Umstände einen für Gäste und Ensemble befriedigenden Spielablauf leider nicht mehr zuließen.

2000 fand sie im Hofbräukeller eine neue Bleibe. Allerdings fiel auch hier nach 5 Jahren der letzte Vorhang, da die Bühne abgerissen wurde.

Gott sei Dank fand sie nun in Gut Nederling eine neue Spielstätte, die nun hoffentlich auf längere Zeit ihr neues Zuhause sein wird.  Im Vertrauen auf ihr langjähriges, treues Stammpublikum und auch auf Hinsicht neuer Gäste, wird ihr dies sicherlich gelingen.

Goethe sagte einmal: „Drei Dinge gehören zu einem gelungenen Theaterabend: ein gutes Stück, begeisterte Schauspieler und wohlgesonnene Gäste“. Die MVB bemüht sich um die beiden ersten Punkte und bedankt sich schon jetzt für den dritten Punkt bei ihrem Publikum und allen anderen, die dafür sorgen, dass diese Bühne weiterhin ein bunter Tupfen auf der Palette der Münchner Theaterlandschaft bleibt.

 

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